Freifunk Augsburg

Blog zu Freifunk Augsburg und Mesh-Netzen im Allgemeinen

Stellungnahme zum Ausbau des städt. WLAN

Die Stadt Augsburg will Ihr öffentliches WLAN am Plärrer, Stadtmark und Kuhsee ausbauen. Hier was wir dazu sagen...

In der zweiten Januarwoche wurden wir von Oliver Nowak, dem Statdrat für die Ausschussgemeinschaft bestehend aus PolitWG, DieLinke, ÖDP und FW angeschrieben um unsere Meinung bzgl. den Anträgen von CSU und CSM zu formulieren, die darin beantragen das öffentliche WLAN der Stadt Augsburg auf den Stadtmarkt, Plärrergelände (Kleiner Exerzierplatz) und Kuhsee ausdehnen. Die Anträge von CSU und CSM können über's Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg hier runtergeladen werden: ratsinfo.augsburg.de/bi/vo020.asp
Anbei im Fließtext unser Stellungnahme und ganz unten nochmal das PDF.

Sehr geehrter Herr Nowak,
Sehr geehrte Mitglieder*innen der Ausschussgemeinschaft,
vielen Dank für Ihre Bitte um Stellungnahme zu den Anträgen zum Ausbau des städtischen WLANs am Stadtmarkt, Kuhsee und Plärrergelände.
Zu Ihren Fragen nehme wir wie folgt Stellung und stehe für Rückfragen gerne zur Verfügung.
Wie in einem vorangegangen Gespräch Mitte 2016 bereits erläutert sind sowohl der Stadtmarkt als auch der Kleine Exerzierplatz („Plärrergelände“) aus technischer Sicht herausfordernde Standorte, für eine leistungsfähige und stabile WLAN-Abdeckung.
Am Stadtmarkt sind durch die vielen Aufbauten der Verkaufsbuden, Überdachtungen und Vordächer, eine Abschattung des WLAN-Signals zu erwarten. Dem kann wahrscheinlich mit einer gemischten Aufbauvariante begegnet werden: Einerseits mit WLAN-Routern, die unterhalb des Niveaus der Budendächer installiert werden, so dass das Funksignal dort möglichst wenig Dämpfung durch Baumaterialen erfährt; Anderseits dürften für Freiflächen und in Hallen, das Konzept der Stadt Augsburg mit von oben ausgerichteten WLAN-Router tragfähig sein.
Eine gemischter Systemaufbau mit einer überschaubaren Zahl an Freifunk-Router von wahrscheinlich 20-30 Geräten wäre angemessen und wahrscheinlich wegen der baulichen Gegebenheiten auch notwendig. Vorteil von Freifunk wäre neben den zu erwartenden niedrigeren Installationskosten, dass nicht jeder Accesspoint mit einem Netzwerkkabel angeschlossen sein muss, sondern dank des Mesh-Protokolls kabellos eine günstige Abdeckung in für Kabelverbindungen schwer zugänglichen Bereichen erfolgen kann.
Am Plärrergelände sind die Gegebenheiten, wie im Vorgespräch geäußert, deutlich schwieriger, da nahezu keine Infrastruktur in Form von Leitungen und erhöhten Montagepunkten besteht. Hinzukommt noch, die hohe Dichte an Besucher*innen und damit auch den Endgeräten, was sehr hohe Anforderungen an das Management der Funkkanäle und der Verteilung der Geräte setzt. Die im Antrag prognostizierten Zahlen mit 250 eingebuchten Geräte pro Accesspoint erscheinen sehr optimistisch gerechnet und bestenfalls für Geräte zutreffend, die durch Mehrkanalfähigkeiten, das nahezu gesamte Funkspektrum für WLAN ausnützen. Die Gegebenheiten am Plärrergelände erfordern eine sehr umfangreiche Planung und sind möglicherweise ohne ein zentrales Management der Funkkanäle nicht zu erfüllen.
Ob für den speziellen Fall Freifunk die richtige Systemwahl ist, müsste im Einzelfall eruiert werden und auch kommerzielle Anbieter müssen bei der Auswahl auf Fähigkeiten hinsichtlich höchster Gerätedichte und Gerätezahlen abgeprüft werden. Infrage kommende Integrationspartner sollten die Kompetenzen durch einen vergleichbaren und erfolgreichen Fall, wo in einer dem Plärrergelände entsprechenden Umgebung ein derartiges WLAN-System integriert wurde, vorzeigen können.
Seite 1 von 2Die übrigen genannten Standorte im Stadtgebiet wie Moritzplatz, Erweiterungen am Königsplatz und div. städtischen Einrichtungen können mit den bisherigen Ausbauvorschlägen seitens der Freifunk-Community abgedeckt werden. Das ist im Rahmen dessen, was wir immer wieder in verschiedenen  Projekten realisieren und wofür bereits Erfahrungswerte vorliegen.
Der Kuhsee nimmt im Antrag eine Sonderstellung, da hier die Gegebenheiten für ein reines Accespoint-Konzept, wie es die Stadt Augsburg bevorzugt sehr ungünstig sind, da jeder Accesspoint mit einem Netzwerkkabel angeschlossen werden muss.
Hier kann das Konzept von Freifunk mit seinem Meshing-Verfahren, seine Vorteile gegenüber einem normalen Accesspoint-Konzept ausspielen und mittels Funkbrücken die Distanzen um und über den Kuhsee überbrücken, ohne dass lange Kabelwege erforderlich sind. Denkbar wären, auch ausgehend vom Gebäude der Wasserwacht, im Zickzack-Kurs über den Kuhsee redundante Funkbrücken zu realisieren und so eine Abdeckung großer Teile der Liegefläche und den stärker frequentierten Bereichen am Ostufer und den Kiosken abzudecken. Geprüft werden müsste, ob Lichtmasten als Montagepunkte geeignet sind, um genug Abstand zu signalabschattenden Aufbauten und Bäumen zu gewinnen.
Auch hinsichtlich einer vom Stromanschluß unabhängigen Versorgung von Freifunk-Router haben wir im Rahmen verschiedener Bastelprojekte Erfahrung gesammelt, so dass diese mit den darin erworbenen Erfahrungen wahrscheinlich kostengünstig in einen professionellen Aufbau einfließen könnten. Mit einem Solarpanel, das weniger als einen halben m2 Fläche maß, konnte ein nahezu durchgehender Betrieb zwischen März und November gewährleistet werden.
Kuhsee und Stadtmarkt sind voraussichtlich die Standorte, an denen Freifunk seine größten Vorteile Meshing-Verfahren und grundsätzlich günstigere Hardware zum Tragen bringen kann. Vorteil darüber hinaus wäre auch, dass keinerlei Abhängigkeiten von Herstellern und Dienstleistern gegeben ist, sondern eigenes Wissen und Erfahrungen im Betrieb mit WLAN-Infrastruktur im Netzwerkteam der Stadtverwaltung aufgebaut werden kann. Damit steigt die Investitionssicherheit und stärkt die technischen Kompetenzen in der IT-Abteilung der Stadtverwaltung.
Freifunk ist eben nicht ein ehrenamtliches Projekt, das einzelne Accesspoints aufstellt, im Gegenteil, unser Ziel ist der Aufbau eines weitreichenden Funknetzes, das sich über längere Funkbrücken, schwächer angebundenen Standorten einen leistungsfähigen Netzwerkzugang ermöglicht. Mit dem ganz grundsätzlich anderen Ansatz wie bei einem nur auf einzelnen Accesspoints basierenden Netzwerk, kann das Freifunk-Konzept denen im Antrag formulierten Schwierigkeiten bzgl. Standorten mit zu langsamen Internetzugänge eine Lösung sein. Gerade die Vielzahl hoher, städtischer Gebäude würde viele Möglichkeiten für leistungsfähige Funkbrücke über‘s ganze Stadtgebiet bieten.
Ganz grundsätzlich ist Freifunk mit der Eigenverpflichtung auf die Verwendung von OpenSource-Software ein positives Beispiel hinsichtlich Selbstbestimmung und der Souveränität über Daten und Infrastruktur. Properitäre Software und durch Dienstleister oder Cloudanbieter betriebene Infrastruktur standen und stehen nicht erst seit den Enthüllung von Snowden, den Erkenntnissen aus dem NSA-Untersuchungssauschuss und diversen ernstzunehmenden IT-Sicherheitsvorfällen, wie beispielsweise den gehackten Telekomrouter Ende 2016, massiv in der Kritik und zeigen auf, wie wichtig transparente Systemarchitekturen, sichere Verschlüsselung und freie Software sind.
Letztere sind die Grundwerte, welche in Freifunk realisiert und in den deutschlandweit über 100 Communities tagtäglich gelebt werden!

 

--Die Freifunker in Augsburg--

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