Freifunk Augsburg

Blog zu Freifunk Augsburg und Mesh-Netzen im Allgemeinen

Lesetip: Freie Netze, Freies Wissen

Ich lese gerade in Freie Netze, freies Wissen (Creative Commons, BY-SA) das Kapitel über freie Funknetze von Manu Hiesmair und Leonhard Dobusch und möchte hier einige Stellen daraus zitieren. Zunächst stellen sie fest, dass das Internet unsere Lebenswirklichkeit in vergleichbarem Maße geprägt hat wie einst die Erfindung der Schrift oder später des Buchdrucks. Dies bedeutet auch, dass "drin" sein heute darüber entscheidet, ob man teil hat an der modernen Gesellschaft oder nicht. Diese neu entstandene Digitale Ungleichheit hängt eng zusammen mit bereits bestehenden sozialen Ungleichheiten, insbesondere Alter, Geschlecht, Bildung, Einkommen, ethnische Abstammung sowie geographische Lage und bringt selbst wieder soziale Ungleichheiten hervor:

Die „reale“ Ungleichheit determiniert regelmäßig die „digitale“, denn sozial ungleich verteilte Chancen bestimmen, ob jemand Zugang zum Internet hat oder nicht. Keinen Zugang zum Internet zu haben bedeutet wieder im Vergleich zu all jenen, die Zugang haben, weniger Handlungs- und Gestaltungsraum zu haben. Während bestehende soziale Ungleichheit heute die digitale Ungleichheit determiniert, verstärkt diese wiederum die soziale Ungleichheit von Morgen. (S.16)

 

Freifunk (bzw. Funkfeuer in Österreich) wollen durch die Errichtung von Funknetzwerken erklärtermaßen auch der Digitalen Spaltung entgegenwirken. Dies ist jedoch leichter gesagt als getan. Denn obwohl die meisten Communities versuchen Wissen weiterzugeben und Anfängern zu helfen, stehen diese doch vor großen Einstiegshürden, die ihnen die Teilnahme an freien Funknetzen erschweren:

 

Diese technische Unterstützung ist für Internet-Laien auch bitter notwendig, wie das – verglichen mit der explosionsartigen Verbreitung privater WLAN-Infrastruktur – eher langsame Wachstum der freien Netzwerke zeigt: Obwohl immer mehr Menschen über WLAN-Module und –Basisstationen verfügen, beteiligen sich nur sehr wenige an den freien Funknetzwerken. Abgesehen von der geringen Bekanntheit der Freifunk-Initiativen sind es wohl technische Einstiegshürden wie notwendige Außenantennen und technisch-rechtliches Kauderwelsch (Community-Netzwerke erfordern sogenannte „Pico-Peering-Agreements“ für die wechselseitige Datenweiterleitung), die abschreckend wirken. Zumindest für jene Bevölkerungsteile, die aus sozio-kulturellen oder finanziellen Gründen über keinen Zugang zum Internet verfügen, ist die Teilnahme an freien Funknetzen noch einmal um einiges schwieriger. (S.21, Fett von mir)

 

Sie haben hier natürlich völlig recht. Es besteht die Gefahr, dass wir hier ein Netz von Geeks für Geeks bauen, die die neuen Techniken ohnehin bereits in ihr Leben integriert haben und auf der Gewinnerseite des digitalen Grabens stehen. Gegen Armut und damit fehlende Hardware können wir (abgesehen von kleineren Spendenaktionen) wenig ausrichten. Wo wir aber ansetzen können ist die Vermittlung notwendigen Wissens für die Teilnahme an unseren Netzen in Form von Schulungen, Workshops, Anleitungen, usw. Hier muß ich nun an Prof. Klüvers Keynote zum LIT08 denken, die ich leider nicht selbst sehen konnte:  “Ein Mehr an Freiheit verlangt stets auch ein Mehr an Wissen”. Dies gilt insbesondere auch für Freifunk. Obwohl die Freifunk Firmware wirklich leicht zu installieren und konfigurieren ist braucht es doch einige Fähigkeiten, um das freie Netz zu benutzen. So sollte man unter anderem zumindest über einiges Grundwissen zu IP und Routing verfügen, um nachzuvollziehen wie das Netz funktioniert und um Fehler suchen zu können. Auch der immer wieder gelesene Rat, unbedingt sichere Ende-zu-Ende-Verbindungen zu benutzen mag auf Anfänger sehr kompliziert und abschreckend wirken. Aber das ist Autofahren auch. Oder das Tarifsystem der DB ;-)

Und generell gilt hier wohl auch, dass man Dinge, die man nicht kennt, als schwieriger einschätzt als sie in Wirklichkeit sind. Beschäftigt man sich erst einmal damit merkt man schnell, dass alles viel einfacher ist als man befürchtet hatte. Das ist auch der Grund, warum ich es meistens ablehne, irgendwo Computer oder Access Points zu betreuen. "Gib einem Hungernden einen Fisch, so wird er einen Tag lang satt. Lehre ihn fischen, und er wird nie mehr hungern."
 

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