Freifunk Augsburg

Blog zu Freifunk Augsburg und Mesh-Netzen im Allgemeinen

Korrigiert: Bloß kein Neid

Aus Angst vor Neid in der Bevölkerung, spricht sich der Ausschuss Stadtratausschusses für Organisation, Personal, Migration und Interkultur gegen die Freifunk in Unterkünften für Geflüchtete aus

###Korrektur: Auf Hinweis wurden einige Fakten korrigiert ###

Auf diese drei Worte lässt sich die Diskussion, ob man in Unterkünften für Geflüchtete freies WLAN zur Verfügung stellen soll, zusammenfassen. Ein Vertreter der Polit-WG hatten für die Sitzung Stadtratausschusses für Organisation, Personal, Migration und Interkultur am 01. Oktober einen mündlichen Beitrag mit anschließender Diskussion (Hintergründe im Blog) eingebracht, der u.a. vorsah in den Notunterkünften und zentralen Erstaufnahmeeinrichtungen für geflüchtete Menschen, einen WLAN-Zugang zu schaffen. Im Wortbeitrag wurde darauf hingewiesen, welche immense Bedeutung ein Internetzugang für die geflüchteten Menschen hat, um beispielsweise mit Angehörigen und Freunden in Kontakt zu bleiben, Übersetzungsdienste zu nutzen oder als Organisationshilfe und Nachschlagewerk für das Asylverfahren.
Doch aus Sorge um eine mögliche Neid-Debatte, die ein freies WLAN in den Unterkünften auslösen könnte, haben die Vertreter von CSU und SPD, sich in der anschließenden Diskussion mehrheitlich dagegen ausgesprochen. Dem Vertreter der Polit-WG wurde unterstellt, er würde damit die Bevölkerung gegen die Geflüchteten aufbringen, da schließlich sie schließlich für einen Internetzugang stets bezahlen müsse, wörtlich wurde geäußert "Wer hat schon kostenloses WLAN zu Hause?". Dies schüre Neid auf Kosten der Steuerzahler.

Nun, allein schon in die rethorischen Frage wer kostenloses WLAN zu Hause hätte, könnte man aus laienpsychologischer Sicht versuchen, Neid hineinzuinterpretieren. Tun wir selbstverständlich nicht ;-)

Der Argumentationsweise wohnt allerdings eine Menschenfeindlichkeit inne, denn 1.) Es wird eine Aufteilung gemacht, DIE Geflüchteten und DIE Bevölkerung (wahrscheinlich sind hier die Deutschen gemeint?). In wie fern diese Aufteilung sinnvoll ist bei der Frage, ob und wie wem geholfen werden muss oder will und in wie fern der Wunsch nach freiem WLAN nicht bei beiden sogar gleich ausgeprägt sein sollte, bleibt wohl ein Geheimnis der Stadträt*innen. 2.) Damit kein Neid aufkomme, so die These, müsse es den Geflüchteten immer noch deutlich und auch gefühlt schlechter gehen, als DER Bevölkerung, denn nur wenn Unterschiede erlebt werden und es den anderen schlechter geht, gibt's für die Bevölkerung keinen Anlass zu Neid. Mit dieser Argumentationsweise, können sämtliche Sozialleistungen in-Frage-gestellt werden, auch kostenlose Unterkunft, Verpflegung, Kleidung, Hygieneartikel, etc.
Dass dadurch eine Neiddebatte entstehen könnte, ist nicht auszuschließen und auch nicht verhinderbar, denn sämtliche Sozialleistungen könnten dafür angeführt werden. Zwar ist freier Internetzugang derzeit noch kein anerkannter Teil der Daseinsvorsorge, doch gerade die Aktiven in der Freifunk-Community sehen eine starke Zunahme in der Bedeutung der Frage zum Zugang zu Kommunikationsmitteln und handelt deswegen.

Politisches Handeln, als Gegenentwurf zu lokalparlamentarischer-Angsthaserei, hat die Aufgabe die Bevölkerung zu informieren und in sachlicher Argumentation den Ressentiments aus denen Ängste und Neiddebatten entstehen können zu begegnen. Das Neid-Argument wäre z.B. dadurch leicht zu zerstreuen, da die Anlieger dasselbe WLAN mitnutzen können, da es offen und frei für alle ist.

In diesem Sinne baut weiter Freifunk-Knoten, funkt frei mit Freifunk!
#refugeeswelcome

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