Freifunk Augsburg

Blog zu Freifunk Augsburg und Mesh-Netzen im Allgemeinen

"Freies" WLAN in München. Und was ist mit Augsburg?

Die Stadt München startete ein Pilotprojekt zur Errichtung von öffentlichen Hotspots an wichtigen Plätzen in München. Das ist löblich, schliesslich gibt es kostenlose Hotspots bereits in vielen anderen Städten und eigentlich sollte es überall so sein.

Kostenlos oder frei?

Der Begriff frei ist im Deutschen doppelt belegt. Erstens frei wie in kostenlos (z.B. Freibier) und zweitens frei wie in Freiheit (oder freie Software, freies Wissen, Freifunk etc.). Es ist schade dass diese zwei Bedeutungen nicht immer klar voneinander abgegrenzt werden.

In der Beschlussvorlage aus München heisst es:

"Vor diesem Hintergrund wird der im weiteren genutzte Begriff des freien öffentlichen WLAN verstanden als der Betrieb von Hot-Spots im öffentlichen Raum, die ein Anbieter Dritten zwar unentgeltlich, jedoch oftmals mit zeitlicher Nutzungsrestriktion als Internetzugriffspunkt zur Verfügung stellt."

Es wäre treffender hier kostenlos statt frei zu verwenden, denn mit einem freien Netz, wie es wohl die meisten Freifunker definieren würden, hat der Betrieb von kostenlosen Hotspots durch einen Provider (hier: Stadtwerke München) als Partner eigentlich nicht viel gemeinsam.

Wikipedia definiert freie Funknetze als:

"Freie Funknetze sind WLAN-basierte Funknetze, die nicht von kommerziellen Anbietern, sondern von Privatpersonen, Vereinen oder ähnlichen Organisationen angeboten werden. Demnach sind die Benutzer auch gleichzeitig die Betreiber der Computernetzwerke, die von einfachen Heimnetzwerken ausgehend Häuser, Stadtteile, Dörfer oder ganze Städte vernetzen können."

Hier haben wir bereits ein wichtiges Kriterium für ein freies Funknetz: Es wird von den Nutzern betrieben, nicht von einem Provider. Das soll m.E. nicht heissen, dass an diesen Netzen nicht auch Provider beteiligt sein können. Ein freies Funknetz muss schliesslich per Definition offen sein für alle. Es heisst aber, dass offene Standards genutzt werden müssen, so dass ein solches Netz auch von z.B. Privatpersonen erweitert werden kann. Es ist klar, die Zielsetzung in München ist erstmal eine andere, nämlich kostenlose Hotspots an wichtigen Plätzen anzubieten. Aber könnte man genau das nicht gleich mit der Unterstützung eines freien Funknetzwerks verbinden? Die städtischen Access Points könnten ja zugleich Hotspots und Nodes in einem Mesh-Netzwerk wie Freifunk sein. Der Vorteil dabei liegt auf der Hand: Man könnte damit zugleich und ohne große Mehrkosten den Aufbau freier, stadtweiter WLAN-Netze wie Freifunk unterstützen und damit die drahtlose Kommunikation von Menschen innerhalb der Stadt ermöglichen, ohne dass diese Daten je ins Internet müssen.

Frei heisst für uns mindestens:

  • Verwendung offener Standards und freier Software, Offenlegung des Source Codes und der Protokolle
  • Das Netzwerk ist daher offen für alle. Nutzer sind nicht nur Konsumenten, sondern haben die Möglichkeit selbst Teile der Infrastruktur zu betreiben und das Netzwerk damit zu erweitern
  • Einhaltung des Pico-Peering-Agreements ("du leitest meine Daten unverändert und kostenlos weiter und ich mache das selbe mit deinen Daten")

Vor diesem Hintergrund würden wir das Pilotprojekt in München derzeit nicht als "freies öffentliches WLAN" verstehen.

Und in Augsburg?

Auch in Augsburg sollen öffentliche Hotspots errichtet werden, dafür liegen Anträge der Freien Wähler vor, die am kommenden Donnerstag Thema im Stadtrat sein werden. Es wird wahrscheinlich noch viel Wasser den Lech runterfliessen bis das konkret wird. Wir möchten aber jetzt schon darauf hinweisen, dass wir uns wünschen würden, dass die Stadt hier mit berücksichtigt, wie sie mit der Errichtung öffentlicher Hotspots zugleich auch das Augsburger Freifunknetz unterstützen kann. Für Gespräche in diese Richtung stehen wir gerne zur Verfügung.

 


										

 

 


										

 

 


										

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